I manage my fantasy baseball team better than I manage my anger these days

Vor genau 20 Jahren erschien das hervorragende Album „Left & Leaving“ der großartigen Weakerthans. Immer noch eine meiner Lieblingsplatten und immer noch ein Beleg für die (auch von mir vertretene) These, dass John K. Samson einfach einer der besten Geschichtenerzähler ist!

Gestern erschien mit „Fantasy Baseball At The End Of The World“ ein neuer Song von John K. Samson.

Hoffentlich ist das ein Vorbote auf ein neues Album – das würde 2020 auf jeden Fall ein Stückchen rausreißen.

Old Amica – Drone and Hum

We’re a two-man band from Sweden called Old Amica and we (usually) make music with the help of the internet since we’re separated by 649km. Our music has been described as a kind of dreamy lo-fi pop..

https://www.facebook.com/pg/oldamica/about/

Old Amica haben im Dezember 2019 Drone and Hum beim Dinslakener Indielabel Oscarson veröffentlicht. Ein tolles Album voller verspulter Indie-Dream-Pop-Tracks.

Old Amica: Website | Bandcamp | Facebook
Oscarson: Website | Facebook

In Gefahr! Alle! Immer!

Anlässlich der Einstellung der Verkehrsnachrichten im Deutschlandfunk hat Deutschlandfunk Kultur just eine schöne Klangcollage von Carsten Schneider veröffentlicht, die uns die geballten Gefahren eines Jahres um die Ohren haut.

Carsten Schneider hat übrigens auch noch andere spannende Stücke gebaut, in denen er den Deutschlandfunk zerlegt und neu zusammensetzt.

Ich verehre den Deutschlandfunk – ich dekonstruiere den Deutschlandfunk. Systematisch und nach strengen Kriterien wird das Sendematerial einzelner Tage, Wochen, Monate und ganzer Jahre erst gesammelt und dann kurz- und kleingeschnitten. Dabei steht jeweils ein Aspekt im Fokus: der Atem, die S-Laute, die Zahlen …

https://www.carstenschneider-kunst.de/dekonstruktion-des-deutschlandfunks

Es lohnt sich, da mal reinzuhören.

Hold me closer, unknown dancer – Kopfhörermusik 2019

Auch 2019 möchte ich euch zum Jahresabschluss wieder ein Reihe toller Platten ans Herz legen. Keine Bestenliste oder so. Einfach Platten, die für mich dieses Jahr wichtig waren und die ich viel gehört habe. Fast alles davon funktioniert für mich am besten im Kopfhörer und natürlich nicht im Shufflemode..

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Moss Covered Technology – Slow Walking
VÖ: 30.08.2019
Label: Polar Seas Recordings
Bandcamp

Ambient, so wabernd wie ein sehr langsamer zielloser Spaziergang an einem warmen Sommernachmittag. Überall blubbert, zischt und plingt es. Schichten aus Sound überlagern sich, lassen die Hörerin im Sound schweben. Toll!

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Flesh Of The Stars – Mercy
VÖ: 21.062019
Label: DIY
Bandcamp

Doom Metal aus Chicago. Klingt nach wildem Krach – das trifft’s aber nur manchmal. Flesh Of The Stars klingen auf Mercy streckenweise überraschend ruhig, melodiös, sphärisch. Der Opener „Mercy“ ist ein 22 Minuten langes Epos mit Spannungsbögen über Minuten, getragenen, teils chorartigen Gesangslinien – immer wieder durchbrochen von lauten Gitarrenparts in bester Doom-Manier. Damit ist das Spielfeld für die anderen Tracks dann auch schon gut abgesteckt – tolle Platte, die am besten am Stück und mit Kopfhörern funktioniert.

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Kate Carr – Contacts
VÖ: 29.05.2019
Label: Flaming Pines
Bandcamp

Die australische Soundkünstlerin Kate Carr lebt in London und produziert seit Jahren tolle Tracks/Platten die sich im weitesten Sinne im Bereich Ambient/Fieldrecording/Klangkunst verordnen lassen. Erwähnt sei hier nur das Album I Had Myself A Nuclear Spring (auf Rivertones, 2016), auf dem sie Fieldrecordings aus dem kleinen (und von einem nahegelegenen Atomkraftwerk überschatteten) Ort Marnay-sur-Seine irgendwo in der französischen Provinz zu einer beklemmend-schönen Soundlandschaft arrangiert. Auf Contacts befasst sich Carr mit akustischen und elektronischen Übertragungen und Einstreuungen verschiedener Geschmacksrichtungen: die akustischen Outputs von Radio, Morsecode, Sonar, Bluetooth, usw. hat Carr zusammen mit Sprachsamples im Rahmen einer Liveperformance beim Radiophrenia Festival in Glasgow genutzt – die hier jetzt zum Nachhören vorliegt. Obwohl es ja thematisch um die Aufnahme von Verbindungen zwischen Menschen geht, klingt der Track irgendwie völlig lost und verzweifelt.

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65daysofstatic – Replicr
VÖ: 27.09.2019
Label: Superball Music
Website

Spätestens seit April warten alle 65kids auf das neue Album von 65daysofstatic – die Bandcamp-Subscription mit monatlichen Releases aus dem Schaffensprozess der Band hat die Erwartungen hoch gesteckt und gleichzeitig in kleinen Dosen schon mal spannenden musikalischen Output geliefert. Ende September ist Replicr dann endlich erschienen und fügt sich perfekt in den Releasemarathon ein: Postambientglitchnoiserock. Oder so. 65daysofstatic sind jedenfalls mehr denn je davon entfernt, lahmen Laut-Leise-Postrock zu machen. Toll!

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Iain Chambers – The Eccentric Press
VÖ: 17.05.2019
Label: Persistence Of Sound
Bandcamp

Iain Chambers ist einer der Köpfe hinter dem Langham Research Centre, deren tolles Gateshead Multi-Stores Car Park ich letztes Jahr hier schon mal hatte. Chambers hat vor kurzem das Label Persistence Of Sound gegründet, laut Website „a new independent record label celebrating musique concrète, field recordings and the interplay between these disciplines“. Das erste Release des Labels ist das vorliegende The Eccentric Press. Die beiden Tracks des Albums entstanden aus Fieldrecordings von industriellen/maschinellen Klängen, die oftmals nur als Krach wahrgenommen werden – aber im Rahmen so einer Komposition einen ganz eigenen Reiz entwickeln. Dazu kommt noch, dass viele der Sounds auf der roten Liste der bedrohten Sounds stehen müssten – sie verschwinden nach und nach aus unseren Klanglandschaften. Die Aufnahmen für den Titeltrack entstanden so etwa teilweise im LWL-Industriemuseum in Dortmund und in der Wuppertaler Schwebebahn.

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Asmus Tietchens & Frans de Waard – Oordeel
VÖ: 08.07.2019
Label: Aufabwegen
Bandcamp

Kollaboration zwischen den beiden Klangkünstlern Frans de Waard (NL) und Asmus Tietchens (Hamburg). Die elf Tracks des Album führen die Hörerin in eine bizarr-schöne Welt aus Bleeps, Klonks, Drones – undefinierbaren Sounds und Artefakten.

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Kokomo – Totem Youth
VÖ: 15.11.2019
Label: Dunk!Records, I.Corrupt.Records and A Thousand Arms
Bandcamp

Totem Youth ist das fünfte Album des Postrock-Quintetts aus Duisburg. Düsterer als je zuvor und einfach toll! Kokomo sind für mich aus der deutschen Postrocklandschaft nicht mehr wegzudenken.

Kokomo – Totem Youth

Am heutigen 15.11. ist das neue Album von Kokomo erschienen: Totem Youth. Auf ihrem inzwischen fünften Album klingt das Quintett aus Duisburg noch ein bisschen düsterer als auf dem Vorgänger Monochrome Noise Love. Das Album schwankt zwischen ambientartigen Passagen und lauten Gitarrenwänden – fast schon doomig wird’s an der einen oder anderen Stelle.

Die Platte ist als Co-Release bei Dunk!Records, I.Corrupt.Records and A Thousand Arms erschienen und kommt als 180g Vinyl in zwei farbigen Varianten: turquoise with black marble oder milky clear. Sehen beide toll aus und klingen auch super.

Unbedingt Hör- und Kaufempfehlung – tolle Platte, die einmal mehr zeigt, dass Kokomo auch im internationalen Szenevergleich locker mitspielen können.

Links:
Bandcamp (digital)
Bigcartel (Vinyl + CD)

65 new ways of connecting with people

65daysofstatic sind schon lange eine wichtige Band im Postrockkosmos (zumindest in meiner Blase). Sie haben über die Jahre diverse Alben und EPs veröffentlicht, die „klassischen“, gitarrenlastigen Postrock mit IDM-Glitch-Breakbeat-Electronic-Gefrickel verbunden haben. Experimentelle Musik von einer stetig experimentierenden Band. Ziemlich toll und auf jeden Fall eine Empfehlung wert.

Nun geht es weiter mit den Experimenten. Heute haben 65dos angekündigt, dass im Herbst ein neues Album erscheinen wird. Ganz normal als Platte mit Label und allem Klimbim. Vorher aber – und zwar ab sofort – startet mit Unreleased/Unreleasable Vol.4 – A Year of Wreckage ein Subscription-Service, der uns ein Jahr lang regelmäßig neues Material verspricht.

U/U Vol. 4 liefert laut Band von Mai 2019 bis April 2020 den Kontext rund um die neue Platte – „It’s not filler, it’s the good stuff“. Das monatlich erscheinende Material ist in den letzten Jahren entstanden, teils als Musik, die den Rahmen des kommenden Albums gesprengt hätte, teils als Produkt diverser Experimente, z.B. mit algorithmischer Musikproduktion.

Die Subscription ist ab sofort für 30 britische Pfund klickbar unter http://65daysofstatic.bandcamp.com/subscribe
Als erstes Release kommt die Kazimir EP am 01. Mai 2019.


Und als wäre es mit den Experimenten noch nicht genug, hat die Band just ihren eigenen Podcast Bleak Strategies gestartet.


Die Band schreibt dazu:

Bleak Strategies is not music. It’s another effort to find new ways of existing as a band in the current, confused moment and so far is mostly us talking about the possibly interesting, often stupid reality of being in 65daysofstatic. FEEDBACK for this project is essential, so if you listen please let us know what you’d like to hear in future episodes and if you have other questions.

65daysofstatic im Newsletter vom 23.04.2019

Bleak Strategies gibt’s z.B. hier:
Apple Podcasts
Soundcloud
oder im Podcastclient deiner Wahl..

Ich finde den Ansatz sehr spannend, als Band mittels eines Podcasts einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen und den Musikern quasi beim laut Denken zuzuhören. Wenn es dann auch noch klappt, Feedback von Hörer*innen aufzunehmen, eröffnet sich ein neuer Kanal, der jenseits von Facebook-Hauptsache-Likes-Content vielleicht wirklich neue Perspektiven auf die und aus der Band ermöglicht.

Vielleicht ist der Ansatz mit selbstkontrollierten Kanälen wie eben einem Subscription-Service über Bandcamp und einem Podcast auch eine vielversprechende Strategie in Sachen kreativer Autonomie. So kann eine Band auch neben einem Plattenvertrag (über den dann die regulären Alben erscheinen können) und irgendwelchen Management/Booking-Agenturen direkt und ungefiltert mit den Fans kommunizieren und Musik veröffentlichen, wann immer der Bedarf dafür besteht. Für eine Band wie 65daysofstatic, die schon seit Jahren über die normale Bandkonstellation hinaus aktiv sind und neue Wege erproben, Musik zu machen, zu spielen und zu veröffentlichen, scheint das unerlässlich – für alle anderen Bands eröffnet dies m.E. zumindest eine gewinnbringende Perspektive.

Tuba|Doom|Drone

Foto: ORE (http://www.oretubadoom.com)

Eine Tuba weckt bei mir immer noch vor allem Assoziationen mit irgendwelchen Blaskapellen, die im Schützenfestmodus durch Dörfer marodieren und seltsame Musik mit seltsamen Bräuchen verbinden. Quasi the dark side of tuba.

Kürzlich bin ich glücklicherweise über the really dark side of tuba gestolpert. ORE nämlich, ein Projekt von dem britischen Tubisten Sam Underwood, der mit der Tuba in düstere Doomwelten hinabsteigt und mit „Belatedly“ ein richtig tolle Platte gemacht hat.

Die Drones, die Underwood hier (mit Support durch weitere Musiker*innen mit u.a. Posaune, Kontrafagott und Baritonhorn) erzeugt, lassen unwillkürlich an sehr langsam durch Raum und Zeit gleitende, gigantische schwarze Raumschiffe denken. Die Platte könnte ohne weiteres auch Soundtrack für einen dystopischen Science Fiction-Film sein. Gleichzeitig schälen sich Hoffnung machende Melodien aus den Tracks, die der Hörerin mitgeben: Die Tuba ist nicht verloren an die Schützenvereine – sondern ein spannendes Instrument mit faszinierenden Möglichkeiten.

Unbedingte Hör- und Kaufempfehlung!
Gibt es digital direkt bei ORE auf Bandcamp und als Vinyl bei Box Records.

>> Website
>> Bandcamp

Über die Notwendigkeit von Popförderung in NRW

Das Land Nordrhein-Westfalen ist ein Popmusik-Land.

Das Land Nordrhein-Westfalen ist kein Popmusik-Land.

Beides stimmt. Irgendwie.

Auf der einen Seite gibt es eine ganze Reihe pophistorisch bedeutender Städte, vor allem aber pophistorisch bedeutender Akteure aus NRW. Der Coolness-Faktor von Bands und Musikern wie CAN , Kraftwerk, Udo Lindenberg, BAP, Herbert Grönemeyer und Nina Hagen ist durchaus sehr unterschiedlich zu bewerten – ihr Einfluss auf die Popmusik aus Deutschland (und teils darüber hinaus) dürfte aber unbestritten sein. Der „Sound Of Cologne“ rund um das Label Kompakt ist weltweit eingeschlagen. VIVA wurde in Köln geboren und hat Pop im deutschen Fernsehen an den Start gebracht.

Auf der anderen Seite hört man immer wieder von junge Bands: Wir gehen nach Berlin. Oder Hamburg. Weil da die „Szene“ ist, die Labels, die Clubs und überhaupt. In Köln passiert immer noch viel. Aber es wird auch eine Diskussion über das Verhältnis von Köln zum Rest der Pop-Republik geführt – etwa bei der cologne music conference im Januar 2018, bei der neben allgegenwärtigen Konfliktlinien wie Clubkultur vs. Stadtentwicklung auch das Leben als Musiker*in Köln unter die Lupe genommen und die Frage nach der derzeitigen Verfassung der Musikstadt Köln diskutiert wurde.

Betrachtet man die Popmusikszene(n) in NRW landesintern, wird deutlich, dass es ein gewaltiges Gefälle gibt: Köln liegt ganz weit oben auf dem Pop-Berg, ein Stückchen darunter kommt ein Hochplateau mit diversen Ruhrgebietsstädten. Und dann kommt das Tal: der „ländliche Raum“. Die „Regionen abseits der Ballungsgebiete“. Ob im tiefsten Ostwestfalen, auf dem platten Land rund um Münster, am Niederrhein, in Südwestfalen oder im Sauerland. Hier gibt es keine Popmusik.* Alle wollen nach Köln. Oder halt gleich nach Hamburg/Berlin.

……..

Was bleibt, ist die schlichte Erkenntnis, dass es nur dann neue, spannende Bands geben kann, wenn diese irgendwann irgendwo anfangen Musik zu machen. Die Grundsteine dafür werden häufig in den Familien, Schulen und Musikschulen gelegt. Popmusik bricht aber gerne aus diesen beschränkten und formalisierten Rahmen aus. Spätestens dann werden andere Strukturen notwendig. Strukturen, die jungen Menschen ermöglichen, „ihre“ Musik möglichst selbstbestimmt zu machen. Strukturen, die jungen Bands Skills, Orte, Wissen und finanzielle Mittel an die Hand geben, nicht nur ihre Musik zu machen, sondern auch möglichst viel aus ihrer Musik zu machen.

Wenn wir über Popmusikförderung reden, reden wir also prinzipiell über eine Infrastrukturförderung. Wir reden von bezahlbaren Proberäumen, die Freiräume zur musikalischen Entfaltung bieten. Wir reden über Bühnen, auf denen junge Bands ihre Musik präsentieren können. Wir reden über Orte, die es jungen Menschen ermöglichen, selbst Konzerte zu organisieren und damit unbezahlbare Erfahrungen zu sammeln. Wir reden über Orte, die popmusikbegeisterte junge Menschen zusammenbringen und so zur Entstehung und Festigung von Musikszenen beitragen. Wir reden über Möglichkeiten, sich Skills für das eigenen Musikmachen anzueignen: Neben dem eigentlich Musikmachen gehören hierzu auch unterschiedlichste Fähigkeiten, sich selbst zu organisieren und Dinge in Eigenregie zu realisieren. Und wir reden natürlich auch über Kohle: Es ist notwendig, jungen Menschen Fördermöglichkeiten anzubieten, die Projekte finanziell erst ermöglichen. Warum sollte der Release einer EP mit richtig guten Songs daran scheitern, dass die Band den zweiten Studiotag nicht bezahlen kann?

Eine funktionierende Popmusikförderung muss also eine gute Mischung aus verschiedenen Strategien sein.

  • In der Breite müssen junge Bands qualifiziert werden (Workshops!), sie brauchen trockene und bezahlbare Proberäume und für sie zugängliche Bühnen (z.B. im Jugendzentrum um die Ecke). Sie brauchen vielleicht auch mal eine kleine finanzielle Unterstützung, um ein Projekt durchzuführen. Breitenförderung in der Popmusik bedeutet, einen Nährboden für die Popmusikszene(n) zu schaffen. Aus der Vielzahl der Bands werden dann einzelne vielleicht den Sprung über die lokalen Bühnen hinaus schaffen.
  • Diese Bands, die dann schon einen Schritt weiter sind, benötigen dann andere Unterstützung: Hier wird vielleicht mal eine größere finanzielle Förderung helfen, das erste Album richtig professionell zu produzieren. Oder es hilft, Kontakte zu Menschen im professionellen Musikbusiness herzustellen, die Band auf ein Showcasefestival zu buchen oder eine Tour zu unterstützen.
  • Gehen wir noch einen Schritt weiter, befinden wir uns im Feld der Initiative Musik, die auf Bundesebene professionelle Bands unterstützt – zum Beispiel bei der Produktion von Alben oder Tourförderungen.

Natürlich muss – insbesondere bei den „höher“ ansetzenden Programmen vor allem die Musik überzeugen. Eine Sammlung schlechter Songs wird langfristig auch mit dem besten Marketing  nicht als Album funktionieren.

Es ist also notwendig, Popmusikförderung auf verschiedenen Ebenen zu denken: Vom lokalen Verein, der ein kleines Festival für regionale Bands organisiert, Jugendzentren mit grund-ausgestatteten Proberäumen, kleinen Bühnen und aktiven Konzertgruppen, über Basisförderprogramme wie create music NRW, bis hin zu Förderprojekten wie dem Lalla:Labor und popNRW, die einzelne Bands gezielt mit finanziellen Mitteln, Kontakten, Bookings und KnowHow unterstützen. All diese Akteure machen einen tollen Job und tragen zu einer lebendigen Popmusiklandschaft in NRW bei.

Und trotzdem: NRW kein Popmusikland. Es fehlt an einer landesweit agierenden Stelle, die koordinieren und vernetzen kann. Natürlich geht es keinesfalls darum, die Eigenständigkeit der vorhandenen Projekte und Akteure in Frage zu stellen oder gar überall ein neues Logo draufzupappen.
Ein „Popbüro“ könnte aber:

  • vorhandene Projekte vernetzen,
  • Ressourcen und KnowHow vermitteln,
  • Bands beraten,
  • Kulturakteure beraten,
  • Popmusikförderer beraten,
  • informelle Interessenvertretung aller Popakteure gegenüber der Landeskulturpolitik und allgemein „den Anderen“ sein,
  • Qualifizierungsangebote entwickeln und realisieren,
  • Schnittstelle zur Kultur- und Kreativwirtschaft sein,
  • und nicht zuletzt durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit auch das Land NRW als Popmusikstandort in Deutschland und Europa positionieren.

Wenn das Land NRW ein ernsthaftes Interesse daran hat, Popmusik (und damit auch Jugendkulturarbeit) im Land zu stärken und sich als aktiver Standort zu behaupten, wäre es sinnvoll und geboten, ein „Popbüro“ einzurichten. Mit ausreichender Finanzierung, um o.g. Maßnahmen aktiv zu verfolgen (aber eben in vorhandenen Strukturen und nicht durch die Schaffung neuer und andere vereinnahmender Programme). Und mit weitgehenden Möglichkeiten, auf die Gegebenheiten der sich schnell verändernden Popmusikwelt zu reagieren – also mit flexiblen Förderstrukturen und inhaltlichen Schwerpunkten. Idealerweise würden sich die relevanten Ministerien zusammenraufen, um so die gemeinsame Querschnittsaufgabe Popförderung in Angriff zu nehmen: Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft (Musik!), das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration (Jugend!) und das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie (Kreativwirtschaft!).

Auf geht’s!

*Das ist natürlich zu einfach und überspitzt. Selbstverständlich gibt es auch „auf dem platten Land“ Popmusik. Auch tolle Popmusik und tolle Menschen, die tolle Projekte machen. Trotzdem ist ein deutlicher Fokus auf die Metropolen erkennbar – deswegen sei diese Vereinfachung gestattet.

Dust Trap Happiness – Experimentelles 2018

In diesem Jahr sind mir wieder eine ganze Reihe Alben/Künstler*innen begegnet, die sich grob in die Schublade Experimentelle Musik einsortieren lassen. Fünf besonders tolle/spannende Releases davon werfe ich mal hier rein – mit einer unbedingten Hörempfehlung. Vorzugsweise in Albumlänge und mit Kopfhörer natürlich.

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Unland – Betrachtungen
VÖ: 01.11.2018
Label: Space Edition

Unland haben im November ihr neues Album „Betrachtungen“ veröffentlicht. Es knüpft musikalisch und von der Stimmung direkt an „Die Ruhe nach dem Sturm“ von 2016 an: Mit Piano, Gitarre, Klarinette und Elektronik bauen Unland wunderbar dunkle Soundscapes – irgendwo zwischen Darkjazz, Ambient und Klassik. Das Album gibt’s bisher nur digital, CDs kommen noch – Vinyl und Tape sind erstmal nicht geplant. Anspieltipp: Emerging Land.

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Langham Research Centre – Gateshead Multi-Stores Car Park
VÖ: 15.10.2018
Label: Econore

Das Langham Research Centre macht schon seit 2003 experimentelle elektronische Musik, u.a. mit Tapeloops und allerlei anderer vermeintlich obsoleter Technik. Das vorliegende Tape dreht sich komplett um ein Parkhaus in Gateshead im Nordosten Englands. Das besagte Parkhaus wurde 2010 abgerissen, vorher aber haben die Musiker von LRC dort noch jede Menge Sounds und diverse Interviews aufgenommen, die dann – stark bearbeitet – zu einer gut 18-minütigen Collage verarbeitet wurden. Die Atmosphäre des Stücks ist gleichermaßen bedrückend wie sentimental, zumal die interviewten Personen das Parkhaus trotz seiner ziemlich fiesen brutalistischen Architektur irgendwie positiv konnotieren. Die B-Seite des Tapes enthält mit „Ramco’s No-Word Edit“ quasi die Instrumentalversion, in der die kalte, betonhafte Atmosphäre noch deutlicher wird.
Das Tape ist bei Econore erschienen und ziemlich schick aufgemacht.

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Raune – Sinister Love
VÖ: 10.11.2018
Label: Econore

Delaygetränke Drone-Noise-Zerstörungsmischung. Toll! Anspieltipp: Laut!

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Institute of Landscape Architecture – Melting Landscapes
VÖ: 14.05.2018
Label: –

Musik von Landschaftsarchitekten? Released direkt vom Lehrstuhl an der Uni? Klingt komisch? Ist aber ein wirklich tolles Release mit richtig gutem Konzept. Eine Gruppe Studierende vom Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur bei Professor Christophe Girot an der ETH Zürich hat sich über einen längeren Zeitraum akustisch (und fotografisch) mit dem Morteratschgletscher in den Schweizer Alpen beschäftigt. Mit Kontaktmikros und Hydrophonen wurde ein akustisches Porträt des schmelzenden Gletschers eingefangen. Das daraus entstandene Album ist faszinierend und beklemmend, weil es die fortschreitende Zerstörung des Eises dokumentiert und so vor der bevorstehenden Klimakatastrophe warnt. Unbedingte Hörempfehlung, definitiv Fieldrecording-Release des Jahres!

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Philip Sulidae – Glass
VÖ: 01.11.2018
Label: verz

Das Album „Glass“ entstand u.a. aus diversen Fieldrecordings von Lüftungsschächten und Klimaanlagen. Philip Glass zeigt, was mit geschicktem Arrangieren und Bearbeiten von „Noise“ alles möglich ist. Anspieltipp: „Dust Trap Happiness“

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